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Notrufe aus Reha- und Vorsorgeeinrichtungen

Die Reha- und Vorsorgeeinrichtungen kämpfen nach einem Jahr Corona-Pandemie mit den finanziellen Auswirkungen der Krise. Der Politik liegen seit Wochen konkrete Vorschläge vor – sie muss jetzt handeln! Das zeigen auch die Statements von Vertretern der BDPK-Mitgliedseinrichtungen.

Ellio Schneider, Geschäftsführer der Waldburg-Zeil Kliniken:

Trotz erheblich geringerer Umsätze seit zwölf Monaten und eindeutiger Gesetzeslage verweigern uns die Krankenkassen seit November 2020 einen adäquaten Corona-Zuschlag und einen Ausgleich für die nicht durch uns Kliniken verschuldete Minderbelegung. Es muss aufhören, dass sich Kostenträger derart aus der gesellschaftlichen Verantwortung davonstehlen und nur ihren finanziellen Vorteil suchen. Auch das SodEG ist eine Mogelpackung. Wir, die unseren Einsatz für die Gesellschaft geleistet haben, bekommen unsere Aufwendungen nicht wie versprochen erstattet.

Joachim Stapper-Müer, Geschäftsführer der Reha-Klinik Panorama, Lippstadt:

Macht es noch Sinn, über Geld zu reden? Es fehlt mittlerweile an allen Ecken und Enden. Die Belegung ist deutlich niedriger als noch im Vor-Corona-Jahr. Ausgleichszahlungen werden entweder nur mit kurzfristiger Perspektive in Aussicht gestellt oder schon wieder zurückgefordert. Dabei gibt es für die zugestandenen acht Euro gerade mal einen BigMac. Die (berechtigten) Anforderungen an Infektionsschutz sind ein enormer Kraftakt in der organisatorischen und finanziellen Umsetzung. Dabei geht es nicht nur um Schutzkleidung. Es geht auch und insbesondere um Abläufe innerhalb und außer- halb der Klinik, wie zum Beispiel Therapiegruppen und Patiententransporte. Gleichzeitig engagieren sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um trotz Kurzarbeit den Erwartungen von Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen gerecht zu werden – für die jedoch teilweise einfachste Hygiene- und Infektionsschutzregeln ein Buch mit sieben Siegeln zu sein scheinen.

Dr. York Dhein, Vorstandsmitglied (COO) der MediClin AG:

Ein bitteres Jahr für die Rehabilitation! Die Lage ist, kurz gesagt, mehr als kritisch. Das erste Quartal war für die meisten Indikationen in der Rehabilitation mehr als ernüchternd, der Ausblick ist nicht besser. Gerade rollt die dritte Welle, der Druck auf die Akutkliniken und die Intensivstationen steigt weiter. Entsprechend sind die meisten elektiven Operationen on hold, die Patienten trauen sich teils nicht in die Rehabilitationskliniken.

Wir brauchen jetzt ein entschlossenes Handeln der Politik: bundeseinheitliche Regelungen für einen Lockdown und ein rasches Handeln abhängig von der Infektionslage. Man kann den Föderalismus auch übertreiben. Da sind noch viele Wochen zu überbrücken, bis die Impfungen greifen, wie wir das jetzt schon in Großbritannien und Israel sehen.

Die Krankenkassen müssen zurück an den Verhandlungstisch: Das GPVG definiert zwei Unterstützungen für die Kliniken, den Corona-Zuschlag für gesteigerte Hygieneaufwendungen und einen Ausgleich für die coronabedingte Minderbelegung. Diesen Ausgleich verweigern die Kassen und lehnen Verhandlungen ab. Da braucht es eine klare Ansage der Politik. Zumal die Situation mehr als asymmetrisch ist, denn einige Kliniken stehen bereits mit dem Rücken an der Wand. Und wir können die verlorenen Umsätze in diesem Jahr auch nicht nachholen.

Zudem müssen wir schon jetzt an die Zeit nach Corona denken. Auch den „Querdenkern“ sollte mittlerweile klar sein, dass Corona kein Schnupfen ist, in mehr als zehn Prozent der Fälle entwickelt sich ein Post-Covid-Syndrom. Hier müssen noch mehr Rehabilitationskliniken mit interdisziplinären coronaspezifischen Behandlungskonzepten an den Start. Denn diese Behandlungskonzepte haben Erfolg. Die MediClin-Gruppe hat die MediClin-Post-Covid-Reha entwickelt und ist bereit, diese Patienten erfolgreich ins Leben und in die Arbeitsfähigkeit zurückzuführen. Die Zahl der zu behandelnden Patienten steigt rasant.

Und natürlich impfen, impfen, impfen – vielleicht haben wir dann doch noch Aussicht auf einen „Supersommer“, den Karl Lauterbach noch im Januar prognostiziert hat.

Thomas Bruns, Geschäftsführer der Friesenhörn-Nordsee-Kliniken:

Die Folgen der dritten Pandemiewelle sind weiterhin in der Auslastung der Einrichtungen spürbar. Dennoch wird der Rettungsschirm nur spät und scheibchenweise verlängert. Zudem verweigern die Krankenkassen bundesweite Verhandlungen im Sinne des GPVG für eine Vergütungsanpassung zur Abdeckung von Mehrkosten unter Corona-Bedingungen. Das ist kritisch für die Planung und Liquiditätssicherung in den Kliniken. Die Politik sollte zur Bestandssicherung der Kliniken möglichst konkreter und schneller agieren.