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Reha-Zukunftspreis 2017: Die Gewinner

Das Institut für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen (IQMG) und der Bundesverband Deutscher Privatkliniken e. V. (BDPK) fördern mit dem "Reha-Zukunftspreis" nun zum zweiten Mal Best-Practice-Beispiele, die mit ihren Innovationen die rehabilitative Versorgung inspirieren und verbessern.

Foto (v.l.n.r.): Prof. E. Hoberg, Dr. D. Benninghoven, Mühlenbergklinik-Holsteinische Schweiz; Prof. Ch. Skudlik, iDerm, Universität Osnabrück; A. Weiland, Neurologisches Rehabilitationszentrum Quellenhof; Fotograf: D. Gust

Viele Verbesserungen in der Patientenversorgung entstehen durch Engagement und Kreativität des Reha-Teams unmittelbar in der täglichen Arbeit. Besondere Ideen, die zum Erfolg der rehabilitativen Maßnahmen beitragen, sollen mit dem Reha-Zukunftspreis öffentlich gewürdigt werden.
Die drei unterschiedlich dotierten Auszeichnungen wurden im Rahmen der IQMG-Jahrestagung am 29. November 2017 vergeben. Zuvor hatte eine Jury – mit Vertretern von Kostenträgern, aus Reha-Wissenschaft und -Praxis – alle eingereichten Arbeiten bewertet. Zu den Bewertungskriterien gehörten Originalität/Innovation, verbesserte Versorgung/ Umsetzbarkeit und effizienter Einsatz von Ressourcen.

Den ersten Platz belegte eine Projektgruppe aus der Mühlenbergklinik-Holsteinische Schweiz für ein Programm zur multimodalen Rehabilitation für Erwachsene mit Marfan-Syndrom. Im Rahmen des Pilotprojekts wurden in zwei geschlossenen Gruppen insgesamt 18 Rehabilitanden mit Marfan-Syndrom rehabilitiert. Das Behandlungsprogramm sah aufeinander abgestimmte Therapieangebote durch ein interdisziplinäres Rehabilitationsteam vor. Die Rehabilitationsbehandlung erwies sich als sehr erfolgreich. Das heißt: Es traten keine medizinisch unerwünschten Ereignisse auf, die körperliche Fitness und die psychische Befindlichkeit der Rehabilitanden verbesserten sich signifikant. Diese Effekte blieben im Ein-Jahres-Follow-up tendenziell erhalten. Das Konzept entstand in Kooperation mit der Marfan Hilfe Deutschland e.V. und dem Universitären Herzzentrum in Hamburg und wird aufgrund seiner positiven Effekte fortgesetzt. Die weitere Evaluation sowie eine Weiterentwicklung auf der Grundlage der gesammelten Erfahrungen sind vorgesehen.

Die Langzeitevaluation eines interdisziplinären, ambulant-stationären Rehabilitationsprogramms für Patienten mit schweren und chronischen Hauterkrankungen wurde mit dem zweiten Platz ausgezeichnet. Die Preisträger: ein Projektteam vom Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm) an der Universität Osnabrück. Das „Verfahren Haut“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sieht bei schweren, ambulant therapieresistenten berufsbedingten Hauterkrankungen mit drohendem Zwang zur Unterlassung der schädigenden beruflichen Tätigkeit die Durchführung eines Rehabilitationsprogramms vor. Zu dem dreiwöchigen stationären Aufenthalt in einem berufsdermatologischen Schwerpunktzentrum gehören ein interdisziplinär-medizinisches und pädagogisches Interventionsprogramm und eine nachstationäre ambulante hautärztliche Betreuung. Die Maßnahme zählt zur tertiären Individualprävention (TIP) und hat unter der Bezeichnung „TIP-Maßnahme“ Eingang in die Praxis gefunden. Die vorliegenden Fünf-Jahres-Langzeitergebnisse zeigen die Effektivität des Programms. Nur rund ein Viertel der Fälle gab aufgrund der schweren Berufsdermatose in dem untersuchten Zeitraum die berufliche Tätigkeit auf. Auch die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage verringerte sich signifikant bei gleichzeitiger Reduktion von Hauterscheinungen und nebenwirkungsreicher Therapien, begleitet von einer deutlichen Steigerung der Lebensqualität der Patienten.

Den dritten Platz belegten Ann-Christin Weiland und ihr Team vom Neurologischen Rehabilitationszentrum Quellenhof. Das prämierte Trainingsprogramm „MS-Int@kt“ unterstützt internetbasiert Patienten mit Multipler Sklerose (MS) und Fatigue-Symptomatik. Die erhöhte Erschöpfbarkeit (Fatigue) findet sich bei bis zu 92 Prozent aller MS-Patienten und gehört damit zu den häufigsten behindernden Symptomen, mit erheblichen Auswirkungen auf die Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit. Das „e-Training“ mit „MS-Int@kt“ ist ein computergestütztes bewegungstherapeutisches Heimtraining, gesteuert und betreut durch Physiotherapeuten. Die Ergebnisse der Studie zeigen auf, dass die Effekte der Rehabilitation bezüglich der Fatigue-Symptomatik, der Lebensqualität wie auch der Mobilität mit einem dreimonatigen poststationären internetbasierten Trainingsprogramm sechs Monate nachhaltig aufrechterhalten werden können.