Kolumne von Thomas Bublitz

Kassentheater

Die Krankenkassen versprechen viel: Stark, wenn Sie uns brauchen. Gesundheit in besten Händen. Wir stehen an Ihrer Seite. Mit solchen Werbeslogans erwecken gesetzliche Kassen den Eindruck, sie hätten, wie ein Patienten-ADAC, allein die Interessen ihrer Versicherten im Blick.

 

Dass dieser Schein trügt, zeigt sich jedoch an vielen Stellen. So werden fast 20 Prozent der Anträge auf eine stationäre Reha von der GKV abgelehnt, für Heilverfahren beträgt die Ablehnungsquote sogar 40 Prozent. Bei Widerspruch gegen die Entscheidung müssen die Kassen dann zurückrudern und in 62 Prozent aller Fälle die Ablehnung zurücknehmen. Stärke, wenn man sie braucht, zeigen die Kassen hier nicht.

Ob die Gesundheit bei ihnen in besten Händen ist, darf auch angesichts der von den Kassen losgetretenen Debatte um angeblich finanzierte, aber nicht vorhandene Intensivbetten bezweifelt werden. Das Thema entpuppte sich zwar als Luftblase, kratzte aber doch am Ansehen der Kliniken und beeinträchtigte das Vertrauen der Patienten – in einer Zeit, in der dieses Vertrauen in die Versorgung nötiger war als jemals zuvor.

Ein nicht minder deutliches Beispiel für ihr bedenkliches Agieren gaben die Kassen Mitte April bei der Anhörung des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages zum GVWG. Dort suggerierte der GKV-Spitzenverband, die Krankenhäuser würden berufsfremdes Personal als Pflegefachkräfte deklarieren, um unberechtigt an Mittel aus dem Pflegebudget zu kommen. Dahinter steckt die Absicht der Kassen, die Pflegebudgets möglichst klein zu halten, womit sie letztlich ihre immer wieder öffentlichkeitswirksam erhobene Forderung nach Krankenhausschließungen flankieren wollen. Beides, ihr enges Pflegeverständnis und die Krankenausschließungen mit der Brechstange, widersprechen dem Willen des Gesetzgebers ebenso wie den Patienteninteressen. Und wenn AOK-Vorstandsvorsitzender Martin Litsch die Schließung von 400 Krankenhäusern fordert, die keine Corona-Patienten behandelt haben, steht er damit sicherlich nicht an der Seite der Versicherten.

Die Krankenkassen können auch mit noch so viel Inszenierung nicht verhüllen, dass sie in erster Linie eine Versicherung sind. Deren Interesse ist es, pünktlich die Beiträge einzuziehen, Leistungsausgaben aber möglichst zu vermeiden. Dieser Strategie ordnen die Krankenkassen, genau wie andere Versicherungen, alles unter. Die Kassen selbst mögen ihre Strategie für moralisch gerechtfertigt halten, im Interesse ihrer Versicherten und unserer Patienten oder der Pflegekräfte ist sie aber nicht.