Kolumne von Thomas Bublitz

Es eilt!

Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen nimmt dramatische Ausmaße an. Nach aktuellen Schätzungen fehlen in Deutschland annähernd 56.000 ärztliche und gut 140.000 nichtärztliche Fachkräfte. In acht Jahren könnte die Personallücke sogar mehr als doppelt so groß sein.

Dem entgegenzuwirken, ist für die neue Bundesregierung – unabhängig von ihrer Zusammensetzung und ihren Vorstellungen über die zukünftige Struktur der Gesundheitsversorgung – eine der wichtigsten Aufgaben. Sie darf nicht darauf hoffen, dass Corona im Frühjahr oder Sommer 2022 überstanden wäre und damit das Problem geringer wird.

Zum einen weil Corona – in welcher Form auch immer – noch länger bleiben wird. Zum anderen weil die Fachkräfte auch vor zwei Jahren schon fehlten und die Pandemie allenfalls für den Mangelzustand sensibler gemacht hat. Davon allein ist dieser aber noch nicht behoben. Zudem mehren sich die Meldungen, wonach gerade in der Pflege viele Fachkräfte aus dem Beruf aussteigen wollen.

Es sollte sich auch niemand davon täuschen lassen, dass die aktuellen Zahlen und verschiedene Studien dafür sprechen, dass die Leistungszahlen im stationären Sektor künftig deutlich unter das Niveau von 2019 sinken werden. Der Personalmangel wird trotzdem bleiben. Denn die Menschen werden ja nicht gesünder, sondern nur woanders behandelt. Und: In den nächsten Jahren kommen die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter, womit sich auch Tausende Ärzt:innen, Pflegekräfte und Therapeut:innen in den Ruhestand verabschieden. Zudem sind sowohl die Pflegepersonaluntergrenzen als auch das Pflegebudget keine geeigneten Instrumente, um dem heutigen und künftigen Mangel wirklich entgegenzuwirken, sondern allenfalls Versuche, ihn zu verwalten. Zusätzliche Fachkräfte wird es dadurch nicht geben.

Im Ergebnis wird der Fachkräftemarkt immer stärker umkämpft, und die Reha hat in diesem Wettbewerb derzeit die schlechtesten Karten. Die Einrichtungen können im Vergleich zu anderen Gesundheitssektoren und Dienstleistungsbranchen, auch im Service, schlicht nicht genug zahlen. Deshalb zeichnet sich ab, dass die Reha Personal verlieren und neues immer schwerer zu bekommen sein wird. Hier ist das IPReG zugleich Hoffnungsschimmer und Lackmustest für die Reha: Mit dem Wegfall der Grundlohnsummenbindung wächst die Zuversicht, marktgerechte Vergütungen analog zu anderen Leistungserbringern im Gesundheitswesen bezahlen zu können, die dann in Vergütungsverhandlungen künftig nicht mehr als „unwirtschaftlich“ abgelehnt werden können.

Das existenzielle Problem des Fachkräftemangels muss schnellstens gelöst werden. Schon allein deshalb wünsche ich uns allen eine rasche Regierungsbildung.