Kolumne von Thomas Bublitz
Mut zur Erneuerung
Die Welt verändert sich in geopolitischer, ökonomischer und vor allem auch in technologischer Sicht. Das hat sie immer getan und immer waren die Menschen deswegen verunsichert. Deshalb sind viele Menschen der Auffassung, dass früher alles besser war. War es das wirklich?
Schauen wir auf die Herausforderungen in unserem Gesundheitswesen: Der von Bundeskanzler Friedrich Merz angekündigte Herbst der Reformen ist vorbei. Im Vermittlungsausschuss hat man sich auf die Kürzungen vor allem im Krankenhausbereich durch die Streichung der sogenannten Meistbegünstigungsklausel verständigt und die Krankenhäuser in Höhe von 1,8 Milliarden Euro zur Konsolidierung der maroden Krankenkassenfinanzen zur Kasse gebeten.

Ein weiteres Paket von Hybrid-DRG ist verabschiedet, ein Gesetzentwurf für die Notfallreform und das Krankenhausreformanpassungsgesetz sind in Arbeit. Das alles erscheint wichtig, wird aber unser angeschlagenes Gesundheitssystem nicht zukunftsfähig machen.
Wir müssen tief in die einzelnen Leistungsbereiche hineinschauen und Effizienzpotenziale auch tatsächlich heben. Dazu gehört in allen Leistungsbereichen die Streichung nichtevidenzbasierter Personalvorgaben aus vergangenen Zeiten. Diese sind teuer, im Zuge des Fachkräftemangels nicht mehr erfüllbar und verhindern eine effiziente moderne und leistungsfähige Medizin. Dazu kommt die Ressourcenverschwendung für die Kontrollbürokratie, die die Beschäftigten demotiviert.
Unser Mindset muss sich verändern, Ziel muss es sein, die Mitarbeitenden von unnötiger Arbeit zu entlasten. Dabei geht es vor allem um Arbeitsteilung und Technologie. Die Welt dreht sich weiter, ob wir es wollen oder nicht. Haben wir den Mut, die Veränderungen voranzutreiben, anstatt uns von ihnen treiben zu lassen. Wir sollten als „Möglichmacher“ statt als „Bedenkenträger“ über die Gesundheitsversorgung der Zukunft diskutieren. Das gilt im Übrigen auch für die Krankenkassen, die ich vor allem beim Ruf nach mehr Geld statt nach Versorgungsinnovationen wahrnehme. Die Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz werden vieles infrage stellen und umpflügen. Gemeinsam wünsche ich uns Mut und Besonnenheit zur Erneuerung.
